Das Buch zu lesen hat mir viel Spaß gemacht. Der Autor ist unter anderem
Wissenschaftsjournalist und pflegt eine außergewöhnlich bildhafte
Sprache. Von “Methoden der Verschlankung des Wissens” die Rede, von der
“Bonsai-Tastatur so mancher Kommunikationsgeräte”, von “Info-Diät”, von
“Wissensvitaminen” und “Spurenelementen”.
Die persönlichen Bezüge sind nach Remus die “Ballaststoffe” und
“Spurenelemente”, die für die “gute Verdauung” der aufgenommenen
Informationen unerlässlich sind.
Während die technische Entwicklung ständig fortschreitet und Werkzeuge
zur Beschaffung und Verwaltung von Informationen immer weiter
verbessert werden, versäumen wir, unsere eigenen Wahrnehmungsmuster und
die eigene Aufmerksamkeit diesen Entwicklungen entsprechend zu schulen.
Diese Lücke möchte der Autor gerne füllen und er bietet eine wirklich
Fülle von Beobachtungen, Erkenntnissen und Maßnahmen.
Interviews z. B. mit namhaften Neurologen, Neurobiologen, einer
Nobelpreisträgerin für Medizin u. a. drehen sich um Themen wie
Gehirntätigkeit, Gedächtnis und Bewusstsein.
Viele gewohnte Begriffe werden neu in Frage gestellt. Ein Journalist
versteht unter einer “Recherche” keineswegs dasselbe wie der
(versierte) Benutzer einer Suchmaschine.
Wer während der Sommerpause die eigene Wissensaufnahme “entschleunigen”
möchte, findet in dem Buch eine wahre Fundgrube an Anregungen und
Material; auch langfristig als Nachschlagewerk und Schmöker sehr
geeignet.
Joscha Remus: Infonautik. Wege durch den Wissensdschungel; GABAL Verlag
2005, EUR 24,90