Buchrezension: Web 2.0 aus Sicht der Wissenschaften

Februar 21st, 2012

Das Buch „Weblogs, Podcasting und Videojournalismus. Neue Medien zwischen demokratischen und ökonomischen Potenzialen“ ist 2007 erschienen und geht auf eine Tagung in 2005 zurück aber an Aktualität hat es zwischenzeitlich nicht verloren.

Es ist Lektüre aus soziologischer Sicht, so gibt es Querverweise auf Habermas in Sachen „Strukturwandel der Öffentlichkeit“. Hier wird genauer differenziert als sonst zwischen Social Media im Interesse der Wirtschaft und denselben Technologien zur breiten Beteiligung von Bürgern am „öffentlichen Diskurs“. Dass viele Netzbürger das Netz für rein private Angelegenheiten/ Unterhaltung/ Kommunikation benutzen wird nicht übersehen. Von einer egalitären Öffentlichkeit der Schreiber und Leser ist die Rede.

Vielleicht ist das heutige Social-Media-Netz das, was schon Berthold Brecht sich 1932 von einer Weiterentwicklung des Radios erhofft hatte, nämlich dass Konsumenten zu Produzenten werden, „Das Radio als Ort des Gesprächs über – und als Ausgangspunkt für – eine Veränderung der wirtschaftlichen und politischen Zusammenhänge.“
Von „Weblogforschung“ ist die Rede. Die ersten 10 Treffer zu diesem Begriff bei google verweisen auf die Jahre 2005, 2006 und 2008, ein Teil dieser Treffer äußert sich auch noch kritisch zu entsprechenden Befragungen.

Lesens- und beachtenswert für alle die Social Media aus unterschiedlichen Perspektiven reflektieren wollen.

Vanessa Diemand, Michael Mangold, Peter Weibel (Hrsg.): Weblogs, Podcasting und Videojournalismus. Neue Medien zwischen demokratischen und ökonomischen Potenzialen
2007 Heise Zeitschriften Verlag GmbH & Co KG, 226 Seiten, 18 €

Buchrezension: Social Media Marketing. Strategien für Twitter, Facebook & Co

Februar 4th, 2012

Wer Twitter, Facebook und andere Social Media versiert nutzt, tut dies nicht unbedingt strategisch. Tatsächlich geht es in diesem Buch um Strategien, wie man Social Media für das einzelne Unternehmen nutzen kann, weniger um die einzelnen Icons, auf die man klicken muss, um sich anzumelden. So wendet sich das Buch an Anfänger und Profis gleichermaßen.
Zahlreiche Beispiele handeln von großen und größeren Unternehmen aber alle Beispiele sind gleichermaßen für kleine und Kleinstbetriebe weiterführend, nützlich und interessant.

Eine erstaunliche Vielzahl verschiedener Anwendungen wird in Bezug auf ihren möglichen Nutzen erläutert und ich habe beim Lesen eine Menge Ideen bekommen, wie ich vertraute Dienste effektiver nutzen könnte und für welche zusätzlichen Dienste ich problemlos Content bereitstellen könnte. Endlich habe ich den Unterschied und die Zusammenhänge zwischen einem Facebook-Nutzerprofil, einer Seite (die manche Leute noch Fanpage nennen) und einer Gruppe verstanden, vor allem die sinnvollen Kombinationsmöglichkeiten und gute Tipps für die Praxis.

Suchmaschinenmarketing bzw. Methoden des Linkbuilding ziehen sich durch das ganze Buch.

Die Dynamik der Blogosphäre wird deutlich, man lernt „Ratgeber-Communitys“ kennen, ebenso verschiedene Systeme des „Social Bookmarking“, „Social News“ sowie Portale für Multimedia-Content.

Ein fundierter Knigge für den Alltag mit Social Media und eine Einführung in die rechtlichen Aspekte runden das Thema ab.
Lesenswert, insbesondere im Zusammenhang von strategischen Vorgehensweisen.

Social Media Marketing. Strategien für Twitter, Facebook & Co
Tamar Weinberg, deutsche Bearbeitung von Corina Pahrmann
O-Reilly 2011, 29,90 €

PR im Social Web: Das Handbuch für Kommunikationsprofis

Februar 1st, 2012

Social Media muss man MACHEN, um es zu verstehen. Aber nach der praktischen Erfahrung braucht es für professionelle PR eine Strategie. Dafür bietet dieses Handbuch Wissen und passende Werkzeuge. Das Buch ist für Social-Media-Einsteiger und für erfahrene Anwender gleichermaßen informativ und spannend.

Die Grundlagen zu „Medien und Gesellschaft im Wandel“ und die „Folgen für PR“ stellen Social Media in einen zeitgemäßen Rahmen.
Es gibt zahlreiche tolle Beispiele aus der Praxis. Ich habe jetzt mitbekommen, was es mit #Blumenkübel auf sich hatte.

Zahlreiche Fachbegriffe werden anschaulich erklärt. Einige kannte ich noch nicht. Ein Brouhaha ist eine Art Aufruhr, eine lebhafte Diskussion, die in der Regel genauso schnell wieder verschwindet, wie sie gekommen ist. Wenn dabei ein Unternehmen, eine Organisation oder eine Einzelperson (zu Recht oder Unrecht) ins Zentrum massiver Kritik gerät, handelt es sich um einen sog. Shitstorm und der verschwindet unter Umständen auch nicht wieder so einfach von alleine ;-)
Nützliche Leitlinien für die betriebliche Praxis.

Tolle Anregungen, wie man Social Media für die Vorbereitung von Events und Veranstaltungen nutzen kann und wie man umgekehrt mit Social Media für die Veranstaltung selbst eine größere Reichweite erzielt.
Viele weitere Themen wie Personalmarketing, Produkt-PR, Kundenservice, Rechtsfragen, u. a. werden detailliert, anschaulich und praxisnah dargestellt.

Klasse Fachbuch. Kann man von vorne nach hinten lesen oder auch quer.

Marie-Christine Schindler & Tapio Liller: PR im Social Web. Das Handbuch für Kommunikationsprofis. 362 Seiten. O’Reilly Verlag 2011, 29,90 €

Google Plus: Schneller als das Sommerloch

Juli 21st, 2011

Google hat einen neuen Dienst, seit gut drei Wochen, ein neues soziales Netzwerk, das von Experten vom Start weg als ernstzunehmender Konkurrent für Facebook UND Twitter gilt. Auch die Zukunft von Blogs (Weblogs) steht für manche Leute schon in Frage, nach drei Wochen. Ich bin jetzt seit 8 Tagen Mitglied bei google plus (oder: google+) und aufgrund der Geschwindigkeit der Entwicklungen kann ich mir vorstellen, dass dieser Text hier in drei Tagen vollkommen veraltet ist. Ich schreibe jetzt keine Anleitung, wie man reinkommt, das machen andere, ich schreibe eine Momentaufnahme, Stand vom 21. Juli 2011 über meine Wahrnehmung der Entwicklungen bei http://plus.google.com

Nach zwei Wochen hatte google plus 10 Millionen Nutzer. Jemand wie ich (223 gepflegte Freundschaften in Facebook, 238 Follower bei Twitter, Mitglied der www.i-worker.de seit 1998) findet hier sofort Bekannte. Man trifft Internetprofis aller Art. Man braucht keine bestätigte „Freundschaft“ um jemandem zu folgen, man sortiert die Leute einfach in eigene „Kreise“ (englisch: circles) ein. Ich habe jetzt 65 Leute in meinen Kreisen, Dritte können sehen wer das ist, aber niemand weiß, wie meine Kreise heißen ;-) Umgekehrt haben mich 40 Personen Read the rest of this entry »

Bürgerschaftliches Engagement 2010 – Active Citizenship

Oktober 15th, 2010

Ich bin da eher zufällig hineingeraten: Ein Quartiersmanager hatte mit mir Kontakt aufgenommen wegen einem Projekt zu Internet und lokaler Ökonomie. Ich bekam das Projekt und dann habe ich das Umfeld meines Auftrages erkundet. Ich habe mit Selbständigen Kontakt Wandbild gegenüber dem Büro für Quartiersmanagementaufgenommen und mit lokalen EDV-/ Internetanbietern, mit dem lokalen Bürgerverein, mit dem Büro für Quartiersmanagement und bei der nächsten Wahl für den Quartiersrat habe ich selbst kandidiert. Das fing Anfang 2006 an. Nach zwei Jahren als Quartiersrätin habe ich dieses Gremium verlassen. Ich habe dann die Bürgerplattform Wedding/ Moabit mitbegründet und war für diese Methode der Bürgerbeteiligung auch zur Weiterbildung in Chicago (dank einem Stipendium der Checkpoint Charlie Stiftung). Der Bürgerverein hat mich vor 2,5 Jahren in den Vorstand gewählt und ich versuche auf meine Art und mit meinen Kenntnissen, zur Entwicklung dieses Vereins und des Stadtteils beizutragen. Ich habe eine gründliche Ader: Was ich in die Hand nehme, mache ich ernsthaft.

Als Soziologin gucke ich immer mal wieder über den Tellerrand und versuche zu orten, was wir hier überhaupt tun, welcher Art „System“ das ist, an dem wir mitwirken. Ich versuche auch, mit anderen Mitstreitern gemeinsame Ziele zu definieren. Aber das geht nicht so recht. Vielleicht setze ich Methoden ein, die aus einer anderen Branche/ anderen Welt kommen? Ich lerne immer mehr: Bürgerschaftliches Engagement ist speziell. Read the rest of this entry »

Kulturförderung als Motor lokaler Entwicklung?

September 26th, 2010

Gestern war Party bei „Perfect Wedding“, dem Herbstfestival der kürzlich eröffneten Uferstudios, ein Teil der Tanzfabrik Berlin. Ich kam zufällig ins Gespräch mit einem älteren Ehepaar, das die ganze Anlage offenbar überhaupt nicht kannte. Ich konnte ein paar Informationen geben, Tanzräume hier und dort, gerade Uferstudiosfertiggestellt, Nutzung durch Profis und für universitäre Ausbildung und ich kramte nach dem Flyer mit den – wenigen aber attraktiven – Kurs-Angeboten für die nicht-professionelle Nachbarschaft. Nein, sie wären keine Nachbarn, sie hätten Unterkunft im Hotel am Luisenbad und wären einfach spontan und neugierig hier mal reingekommen. Das Hotel ist in Sachen Service verbesserungswürdig, das wusste ich schon. Gestern habe ich weitergehend erfahren, dass die Betreiber aber durchaus selbstbewusst sind, angesichts der Möglichkeit, den Zimmerpreis der Nachfrage anzupassen. Dieses Wochenende ist Marathon in Berlin, die Stadt ist ausgebucht; das führte dieses Ehepaar – das häufig in Berlin ist und sonst in anderen Bezirken nächtigt – nun in den Wedding. Die Leute sind sehr angetan von dem Umfeld, in dem sie hier mehr zufällig angekommen sind. Sie sind mehrere Male in unterschiedlichen Richtungen spazieren gegangen. Sie sind überrascht, dass die Menschen hier alle sehr freundlich sind. Sie erwähnten in diesem Zusammenhang insbesondere die – zunehmend orientalische – Badstraße. Sie kommen aus Stuttgart. Sie überlegen in Berlin eine Wohnung zu mieten, weil sie Berlin sehr mögen. Sie sind oft hier, „so viel Kultur“.

Das Gespräch war so außergewöhnlich
Ich sagte Ihnen, dass sie hier zwischen zwei Quartieren mit Quartiersmanagement untergekommen sind. Sie wussten nicht, was das ist. Ich sprach von Nachbarschaften mit hoher Arbeitslosigkeit, hohem Migrantenanteil in der Bevölkerung, Verwahrlosung des öffentlichen Raumes. Ich sagte, dass solche Nachbarschaften von Journalisten gerne mit Ghettos und anderen gefährlichen Gegenden gleichgesetzt werden. Ich sagte, ich würde hier schon sehr lange leben und ich würde gerne hier leben. Ich würde mich freuen, wenn Ihnen diese Gegend gefällt, denn tatsächlich hätten wir hier neben allen Problemen – die wir auch haben, mit denen wir uns beschäftigen – auch Lebensqualität. Sie erzählten von der Read the rest of this entry »

Neulich bei Jovan – zum Stand der Kreativwirtschaft in Berlin-Wedding

September 19th, 2010

Jovan Balov betreibt in der Biesenthaler Straße einen Projektausstellungs-Raum mit dem Schwerpunkt Balkankunst – das www.prima-center.net. In den letzten 6 Jahren hat er hier 100 Ausstellungen realisiert und über 250 KünstlerInnen aus der ganzen Welt vorgestellt. Ich habe bei ihm namhafte Kuratoren kennen gelernt und miterlebt, wie auch Botschafter zuweilen in die Galerie kommen, um die eine oder andere Ausstellung zu würdigen.

Jovan BalovJovan sagt, es ist Zeit, dass die zeitgenössische Kunstszene des Wedding nach außen in angemessenem Rahmen dargestellt wird – mit professioneller Koordination. Während sich zahlreiche Kulturmanager verschiedener Art darüber streiten, wer hier überhaupt die Deutungshoheit über lokale Kunst und Kultur besitzt, fehlt im Grunde die fachliche Diskussion, welche Qualität hier produzierte Kunst eigentlich hat. So ist die aktuelle Studie zum „Kreativraum Wedding“ eine Definition schuldig geblieben, Read the rest of this entry »

Buchrezension: Google Maps. Webkarten einsetzen und erweitern

August 31st, 2010

Geodaten sind tatsächlich eine – hochspannende – Welt für sich.
Die Einführung zum Buch gibt einen sehr guten Überblick, was man mit Karten im Netz überhaupt alles machen kann (von statischen Karten zu interaktiven), wo man eigene Geoinformationen ins Netz stellen kann (z. B. bei www.qype.com das Restaurant oder den Arzt um die Ecke bewerten oder bei www.bikemap.de die Radtour vom letzten Wochenende einzeichnen und beschreiben) und es geht um Quellen, Copyright und Werkzeuge dazu.

Erst das zweite Kapitel dreht sich um GoogleMaps: Grundlagen der Individualisierung von Karten mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen, Read the rest of this entry »

Über Quartiersmanagement und zeitgemäße EDV-Nutzung

August 29th, 2010

Ein Quartiersmanagementgebiet (kurz QM) ist eine städtische Nachbarschaft mit sozialem Entwicklungsbedarf. Ein Büro für QM wird beauftragt bestehende Kräfte zu vernetzen, Projektgelder werden eingesetzt um sinnvolle Projekte durchzuführen. In Berlin-Mitte macht eine Bürgerjury hier Projektvorschläge und bewertet Projektideen. Die endgültige Entscheidung über die Realisierung von Projekten trifft am Ende das zuständige Fachamt (Jugendamt, Wirtschaftsamt, Kulturamt, etc. je nach Projektidee) der Bezirksverwaltung. In so einer städtischen Nachbarschaft mit beispielsweise 20.000 Einwohnern sind naturgemäß zahlreiche soziale und kulturelle Einrichtungen tätig: türkische, arabische und durchaus auch deutsche Kulturvereine, verschiedene Einrichtungen der Jugendhilfe, verschiedene Selbsthilfeorganisationen, Beratungsstellen, Moscheen u. v. m. Auch Kindergärten, Schulen und unterschiedliche Kirchengemeinden sind vor Ort und gehören zur sozial-kulturellen Nachbarschaft. Alle diese Einrichtungen benutzen E-Mail zur Zielgruppenansprache. Alle diese Einrichtungen benutzen Flyer für Werbe- und Informationszwecke. Keine solcher Einrichtungen verfügt über einen professionellen Werbetexter, einen professionellen Grafiker und professionelle Kenntnisse zur Entwicklung einer sicheren und effizienten Kommunikationsstrategie für das Internet.

In der Praxis wird rückständige Technik mit routiniertem Halbwissen bedient, zum Leidwesen eines (in der Regel) ehrenamtlichen EDV-Administrators. Read the rest of this entry »

Nachgedanken zu einem Stadtteilfest

Juni 25th, 2010

Ein Quartiersrat ist eine Bürgerjury, die z. B. in einem Quartiersmanagement-Gebiet Projektideen für den Stadtteil bewertet. (Vergleiche z. B. meinen Erfahrungsbericht )

Strassenfest QM Soldiner Strasse 2010Es begab sich zu der Zeit im Jahr 2009, dass so ein Quartiersrat für ein nicht-kommerzielles Straßenfest rund 10.000 Taler bewilligte (es darf keine Standgebühr genommen werden, Aussteller sind überwiegend soziale Einrichtungen). Das offizielle Steuerungsgremium befand das Projekt zwar grundsätzlich für sinnvoll jedoch zu teuer. 5.000 Taler mussten reichen. So kam es zu einem sogenannten Interessensbekundungsverfahren und alle Welt wurde eingeladen, kreative Angebote einzureichen. Das Auswahlverfahren war gar anspruchsvoll und schwierig, Read the rest of this entry »